erbengemeinschaft

Fachwissen  ›  Schweiz  ›  Nachfolge & Immobilien  ›  Erbengemeinschaft

Gemeinschaftlicher Nachlass, Verwaltung und Erbteilung

Erbengemeinschaft und steuerliche Erbteilung

Mit dem Erbgang entsteht bis zur Teilung eine Gemeinschaft der Erben. Nachlassvermögen wird gemeinschaftlich verwaltet, während Einkommen, Vermögen und Schulden steuerlich grundsätzlich den einzelnen Erben zugerechnet werden. Besonders anspruchsvoll sind Immobilien, Unternehmen, Ausgleichszahlungen und internationale Vermögenswerte.

Kurz gesagt: Die Erbengemeinschaft hält und verwaltet den noch ungeteilten Nachlass gemeinschaftlich. Für die laufende Einkommens- und Vermögensbesteuerung werden die Anteile am unverteilten Nachlass jedoch grundsätzlich den einzelnen Erben zugerechnet. Bei der späteren Erbteilung müssen Bewertung, Schulden, Ausgleichszahlungen und mögliche Steueraufschübe koordiniert werden.

Ungeteilter Nachlass

Die Erben verfügen gemeinsam über den Nachlass

Mit dem Tod des Erblassers geht der Nachlass auf die Erben über. Bei mehreren Erben entsteht eine Erbengemeinschaft.

Bis zur Erbteilung gehören die Nachlassgegenstände den Erben gemeinschaftlich. Ein einzelner Erbe kann deshalb grundsätzlich nicht allein über eine bestimmte Nachlassimmobilie, ein Wertschriftendepot oder einen anderen einzelnen Nachlassgegenstand verfügen.

Davon zu unterscheiden ist die steuerliche Zurechnung. Einkommen, Vermögen, Schulden und Schuldzinsen aus einem unverteilten Nachlass werden grundsätzlich anteilig bei den einzelnen Erben berücksichtigt.

Gemeinschaftliche Verwaltung

Bankkonten, Immobilien, Unternehmen, Verträge, Erträge und Schulden gemeinsam koordinieren.

Persönliche Steuerdeklaration

Einkommen, Vermögen und Schulden des unverteilten Nachlasses grundsätzlich anteilig bei den Erben erfassen.

Spätere Erbteilung

Vermögenswerte bewerten, Schulden zuweisen und gegebenenfalls Ausgleichszahlungen vereinbaren.

Verwaltung des ungeteilten Nachlasses

Entscheidungen, Vollmachten und laufende Erträge

Gemeinsame Entscheidungen

Über Nachlassgegenstände verfügen die Erben grundsätzlich gemeinschaftlich.

Gerade bei Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder grösseren Wertschriftendepots sollte früh festgelegt werden, wer laufende Verwaltungshandlungen durchführen darf.

Vollmacht und Erbenvertretung

Für laufende Geschäfte können Vollmachten erteilt werden. Je nach Situation können auch Willensvollstrecker, Erbenvertreter oder eine amtliche Erbschaftsverwaltung Aufgaben übernehmen.

Funktion und Vertretungsbefugnis sollten klar dokumentiert sein, weil die jeweiligen Rollen unterschiedliche rechtliche Kompetenzen haben.

Nachlasskonten und Zahlungsverkehr

Bankbewegungen, Mieteinnahmen, Dividenden, Zinsen, Unternehmenszahlungen und Ausgaben sollten ab dem Todestag nachvollziehbar getrennt dokumentiert werden.

Erträge vor und nach dem Todestag

Steuerlich ist zwischen Einkünften bis zum Todestag und Einkünften des danach auf die Erben übergegangenen Vermögens zu unterscheiden.

Zinsen, Dividenden, Mieten und andere Erträge nach dem Erbgang sind grundsätzlich den Erben entsprechend ihren Anteilen am Nachlass zuzurechnen.

Schulden und laufende Kosten

Erblasserschulden, Hypotheken, Unterhaltskosten, Verwaltungskosten und durch den Todesfall ausgelöste Aufwendungen sollten getrennt erfasst werden.

Die steuerliche Abzugsfähigkeit hängt von Art, Entstehungszeitpunkt und betroffener Steuerart ab.

Laufendes Nachlassverzeichnis

Ein fortgeschriebenes Nachlassverzeichnis mit Vermögenswerten, Schulden und sämtlichen Bewegungen seit dem Todestag erleichtert sowohl die persönlichen Steuererklärungen der Erben als auch die spätere Teilungsabrechnung.

Steuerliche Zurechnung

Was nach dem Erbfall wo deklariert wird

Sachverhalt Grundsätzliche steuerliche Behandlung Prüfpunkt
Steuerperiode bis zum Todestag Einkommen und Vermögen werden für die letzte Steuerperiode des Erblassers bis zum Todestag abgegrenzt. Fälligkeiten, Stichtagswerte und persönliche Steuererklärung des Verstorbenen.
Nachlassvermögen am Todestag Grundlage für Nachlassinventar sowie gegebenenfalls Erbschaftssteuer und spätere Erbteilung. Vermögenswerte und Schulden vollständig erfassen und sachgerecht bewerten.
Erträge nach dem Todestag Grundsätzlich von den einzelnen Erben entsprechend ihrem Anteil am unverteilten Nachlass zu versteuern. Zinsen, Dividenden, Mieten und weitere Erträge zeitlich korrekt abgrenzen.
Vermögen nach dem Erbgang Anteil am unverteilten Nachlass grundsätzlich bei den einzelnen Erben für die Vermögenssteuer erfassen. Steuerwerte zum jeweiligen Jahresende verwenden.
Schulden und Schuldzinsen Grundsätzlich anteilige Berücksichtigung bei den Erben nach den anwendbaren Ausscheidungs- und Abzugsregeln. Nachlassschuld, persönliche Schuld und Liegenschaftsfinanzierung unterscheiden.
Schweizer Immobilien Einkommen und Vermögen sind zusätzlich dem Belegenheitskanton zuzuordnen. Interkantonale Steuerausscheidung beachten.
Ausländische Vermögenswerte Schweizer Deklaration und ausländische Steuer- beziehungsweise Meldepflichten können nebeneinander bestehen. Belegenheitsstaat, DBA, Bewertung und Wechselkurse.
Die unverteilte Erbschaft ist kein steuerfreier Zwischenraum Die Tatsache, dass der Nachlass noch nicht geteilt wurde, verschiebt die laufende Einkommens- und Vermögensbesteuerung grundsätzlich nicht bis zur späteren Erbteilung.

Immobilien in der Erbengemeinschaft

Nutzung, Kosten, Zuweisung und latente Steuerbelastung

Gemeinschaftliches Eigentum

Bis zur Erbteilung gehört eine Nachlassimmobilie den Erben gemeinschaftlich.

Vermietung, grössere Renovationen, zusätzliche Belastungen oder ein Verkauf sollten deshalb gemeinschaftlich abgestimmt und dokumentiert werden.

Nutzung durch einen einzelnen Erben

Nutzt nur ein Erbe eine Immobilie, sollte geregelt werden, wer laufende Kosten trägt und ob für die alleinige Nutzung eine Entschädigung beziehungsweise Anrechnung bei der späteren Erbteilung vorgesehen ist.

Daneben müssen die einkommens- und vermögenssteuerlichen Folgen der Nutzung separat geprüft werden.

Mieterträge und Kosten

Mieterträge sowie abzugsfähige Unterhalts-, Verwaltungs- und Finanzierungskosten sind steuerlich grundsätzlich anteilig den Erben zuzurechnen.

Zuweisung der Immobilie an einen Erben

Im Rahmen der Erbteilung kann eine Immobilie einem einzelnen Erben zugewiesen werden.

Übersteigt ihr Nettoübernahmewert den Erbanspruch, können Ausgleichszahlungen an andere Erben erforderlich werden. Auch die Übernahme bestehender Hypotheken muss wirtschaftlich berücksichtigt werden.

Grundstückgewinnsteueraufschub bei Erbteilung

Handänderungen infolge Erbgang und Erbteilung führen bei Schweizer Grundstücken grundsätzlich zu einem Aufschub der Grundstückgewinnsteuer.

Die bisherige latente Grundstückgewinnsteuer verschwindet dadurch jedoch nicht. Der übernehmende Erbe tritt grundsätzlich in die entsprechende steuerliche Position ein.

Grenze zwischen Erbteilung und zusätzlichem Erwerb

Die konkrete Ausgestaltung sollte dennoch geprüft werden, wenn die Vereinbarung wirtschaftlich über die eigentliche Auseinandersetzung des Nachlasses hinausgeht oder zusätzliche Rechtsgeschäfte zwischen den Miterben vorgenommen werden.

Latente Grundstückgewinnsteuer

Bei der wirtschaftlichen Bewertung einer Immobilie kann eine später zu realisierende Grundstückgewinnsteuer berücksichtigt werden.

Ob und in welcher Höhe eine latente Steuer bei Ausgleichszahlungen berücksichtigt wird, hängt jedoch vom Bewertungszweck, dem erwarteten Realisationszeitpunkt und der konkreten Teilungsvereinbarung ab.

Steueraufschub bedeutet nicht Steuerbefreiung Wird eine Immobilie im Rahmen einer steueraufschiebenden Erbteilung übernommen, bleibt die latente Steuerposition grundsätzlich bestehen und kann bei einem späteren steuerbaren Verkauf relevant werden.

Erbteilungsvertrag

Zuweisung, Ausgleich und Übernahme von Schulden

Erbquoten und tatsächliche Zuweisung

Die Erbquote bestimmt den wertmässigen Anspruch eines Erben am Nachlass. Die einzelnen Vermögensgegenstände müssen deshalb nicht entsprechend dieser Quote physisch aufgeteilt werden.

Ein Erbe kann beispielsweise eine Immobilie oder ein Unternehmen übernehmen, während andere Erben Geld, Wertschriften oder Ausgleichszahlungen erhalten.

Bewertungsstichtag festlegen

Gerade bei längeren Erbengemeinschaften können sich Immobilien, Wertschriften und Unternehmen seit dem Todestag erheblich im Wert verändert haben.

Für die Teilung sollte deshalb ausdrücklich bestimmt werden, welche Werte und welcher Bewertungsstichtag für die Zuweisungen gelten.

Ausgleichszahlungen

Übernimmt ein Erbe Vermögenswerte, deren Nettoübernahmewert seinen Erbanspruch übersteigt, können Ausgleichszahlungen an die übrigen Erben erforderlich werden.

Höhe, Finanzierung und Zusammenhang mit der eigentlichen Erbteilung sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.

Schuldübernahme

Hypotheken, Darlehen und andere Verpflichtungen reduzieren den wirtschaftlichen Nettoübernahmewert.

Bei Immobilien und Unternehmen sollte deshalb nicht lediglich der Bruttowert des Vermögenswerts betrachtet werden.

Unternehmen und Beteiligungen

Bei Unternehmensnachfolgen können neben dem Unternehmenswert insbesondere Finanzschulden, überschüssige Liquidität, Minderheitsrechte, Übertragungsbeschränkungen und latente Steuerpositionen für die Teilung relevant sein.

Separate Rechtsgeschäfte zwischen Miterben

Werden neben der eigentlichen Erbteilung zusätzliche Vermögenswerte zwischen einzelnen Erben verkauft oder übertragen, sollten diese Vorgänge steuerlich getrennt beurteilt werden.

Teilung in Etappen

Eine Erbengemeinschaft kann auch teilweise auseinandergesetzt werden. Dabei sollte klar dokumentiert werden, welche Vermögenswerte bereits definitiv zugewiesen sind und welche weiterhin gemeinschaftlich gehalten werden.

Ablauf der Erbengemeinschaft

Vom Todestag zur abgeschlossenen Erbteilung

Schritt 1 Nachlass erfassen

Erben, Erbquoten, Testament, Erbvertrag, Vermögen und Schulden feststellen.

Schritt 2 Stichtagswerte bestimmen

Bankguthaben, Immobilien, Beteiligungen, Unternehmen und Nutzungsrechte bewerten.

Schritt 3 Laufende Verwaltung

Erträge, Kosten, persönliche Steuerdeklarationen der Erben und Entscheidungen dokumentieren.

Schritt 4 Erbteilung umsetzen

Zuweisungen, Ausgleichszahlungen, Schuldübernahmen, Grundbuch und Schlussabrechnung koordinieren.

  • Erbschein, Testament und Erbvertrag
  • Erben- und Erbquotenübersicht
  • Nachlassinventar zum Todestag
  • Bank- und Depotauszüge
  • Grundbuch- und Immobilienunterlagen
  • Unternehmens- und Beteiligungsbewertungen
  • Schulden und Hypotheken
  • Erträge und Kosten seit dem Todestag
  • Vollmachten und Willensvollstreckung
  • Steuererklärungen und Veranlagungen
  • Entwurf des Erbteilungsvertrags
  • Ausgleichs- und Finanzierungsnachweise

Typische Fehler

Wo Erbengemeinschaften steuerlich problematisch werden

Warnsignal Typisches Risiko
Erträge nach dem Todestag werden nicht den einzelnen Erben zugeordnet Unvollständige oder falsche persönliche Steuererklärungen.
Vermögen des unverteilten Nachlasses wird bis zur Teilung überhaupt nicht deklariert Fehlende Vermögenssteuerdeklaration und möglicherweise Nachsteuerfolgen.
Ein Erbe verwaltet den Nachlass ohne dokumentierte Vollmacht Streit über Verfügungen, Zahlungen und wirtschaftliche Verantwortung.
Immobilie wird nur zum Steuerwert angesetzt Wirtschaftlich unangemessene Ausgleichszahlungen.
Latente Grundstückgewinnsteuer wird vollständig ignoriert Der Nettoübernahmewert einer Immobilie kann überschätzt werden.
Steueraufschub wird mit Steuerbefreiung verwechselt Spätere Grundstückgewinnsteuer wird in Planung und Bewertung übersehen.
Erbteilung erfolgt ohne Bewertungsstichtag Konflikte bei Wertveränderungen zwischen Todestag und Teilungszeitpunkt.
Ausländische Vermögenswerte fehlen im Inventar Schweizer und ausländische Steuer- und Meldepflichten werden übersehen.

Nachfolge & Immobilien

Erbteilung, Bewertung und Steuerfolgen gehören zusammen

Bei Immobilien, Unternehmen oder grenzüberschreitendem Vermögen sollte die Erbteilung nicht isoliert betrachtet werden. Bewertung, Finanzierung, latente Steuern, persönliche Steuerdeklarationen und spätere Nutzung oder Veräusserung greifen unmittelbar ineinander.

Hinweis: Dieser Leitfaden enthält allgemeine Informationen. Steuerliche und erbrechtliche Folgen einer Erbengemeinschaft hängen insbesondere von Wohnsitzkanton, Erbquoten, Vermögensart, Belegenheitsort, Bewertungsstichtag und konkreter Ausgestaltung der Erbteilung ab. Bei Immobilien und internationalen Nachlässen können zusätzlich interkantonale beziehungsweise ausländische Steuerregeln zu berücksichtigen sein.

Beratung für Erbengemeinschaften

Sie müssen Nachlasswerte verwalten, bewerten oder steuerlich aufteilen?

Wir unterstützen bei Nachlassinventar und steuerlicher Zurechnung, Immobilien- und Unternehmensbewertung, Ausgleichszahlungen, persönlichen Steuerdeklarationen der Erben sowie der steuerlichen Vorbereitung und Umsetzung der Erbteilung.

Erbengemeinschaft besprechen