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Dividenden, Veräusserungsgewinne und Holdingstrukturen

Beteiligungen und Holding in der Schweiz

Schweizer Kapitalgesellschaften mit qualifizierten Beteiligungen können Dividenden und bestimmte Veräusserungsgewinne über den Beteiligungsabzug steuerlich entlasten. Holdingstrukturen können zusätzlich Risikotrennung, Reinvestition, Finanzierung, Unternehmensverkauf und Nachfolge erleichtern.

Kurz gesagt: Eine Schweizer Holding ist nicht generell steuerfrei. Qualifizierende Beteiligungserträge können die Gewinnsteuer über den Beteiligungsabzug stark reduzieren. Zinsen, Management Fees, Währungsgewinne und andere Erträge bleiben dagegen grundsätzlich ordentlich steuerbar.

Beteiligungsabzug

Steuerermässigung statt vollständiger Steuerbefreiung

Dividenden und bestimmte Kapitalgewinne aus qualifizierenden Beteiligungen bleiben Bestandteil des steuerbaren Reingewinns.

Die Gewinnsteuer wird jedoch im Verhältnis des qualifizierenden Netto-Beteiligungsertrags zum gesamten steuerbaren Reingewinn ermässigt.

Deshalb können Finanzierungs- und Verwaltungskosten sowie frühere Wertberichtigungen die tatsächliche Entlastung beeinflussen.

Dividenden

Beteiligungsabzug grundsätzlich ab 10 % Beteiligung oder CHF 1 Mio. Verkehrswert.

Kapitalgewinne

Zusätzliche Voraussetzungen insbesondere bezüglich Beteiligungsquote und Besitzdauer.

Holdingfunktion

Beteiligungsverwaltung, Finanzierung, Reinvestition, Risikotrennung und Nachfolge.

Beteiligungserträge

Dividenden aus Schweizer und ausländischen Beteiligungen

Qualifizierende Beteiligung

Für den Beteiligungsabzug auf Beteiligungserträgen genügt grundsätzlich eine Beteiligung von mindestens 10 Prozent am Grund- oder Stammkapital einer anderen Gesellschaft, ein Anspruch auf mindestens 10 Prozent von Gewinn und Reserven oder Beteiligungsrechte mit einem Verkehrswert von mindestens CHF 1 Mio.

Nettoertrag ist entscheidend

Maßgebend ist nicht einfach die erhaltene Bruttodividende. Dem Beteiligungsertrag werden insbesondere zurechenbare Finanzierungs- und Verwaltungskosten gegenübergestellt.

Dadurch kann der für den Beteiligungsabzug relevante Nettoertrag geringer sein als die handelsrechtlich ausgewiesene Dividende.

Schweizer Dividenden und Verrechnungssteuer

Schweizer Dividenden unterliegen grundsätzlich der Verrechnungssteuer.

Bei qualifizierten Beteiligungen innerhalb eines Schweizer Konzerns kann unter den gesetzlichen Voraussetzungen das Meldeverfahren angewendet werden, sodass die Steuerpflicht durch Meldung statt durch effektive Entrichtung erfüllt wird.

Meldeverfahren ab 10 Prozent

Im nationalen Konzernverhältnis ist das Meldeverfahren seit 2023 grundsätzlich bereits bei einer unmittelbaren Beteiligung von mindestens 10 Prozent möglich.

Das Verfahren ersetzt bei korrekter Anwendung den Liquiditätsfluss aus Verrechnungssteuerzahlung und späterer Rückerstattung.

Ausländische Dividenden

Bei ausländischen Beteiligungen kann im Quellenstaat Quellensteuer erhoben werden.

Doppelbesteuerungsabkommen können den Quellensteuersatz reduzieren. Je nach Staat und Struktur kann eine Entlastung an der Quelle, eine Rückerstattung oder eine schweizerische Steueranrechnung relevant sein.

Internationale Holdingstrukturen

Bei grenzüberschreitenden Strukturen sollte geprüft werden, ob die Schweizer Gesellschaft die Voraussetzungen des anwendbaren Doppelbesteuerungsabkommens und der jeweiligen Entlastungsverfahren erfüllt.

Dabei können insbesondere wirtschaftliche Berechtigung, tatsächliche Funktion und Vertragsstruktur relevant sein.

Beteiligungsveräusserung

Wann Kapitalgewinne vom Beteiligungsabzug profitieren

Für Kapitalgewinne gelten strengere Voraussetzungen als für laufende Dividenden.

Mindestbeteiligung

Die veräusserte Beteiligung muss grundsätzlich mindestens 10 Prozent des Grund- oder Stammkapitals ausmachen oder einen Anspruch auf mindestens 10 Prozent von Gewinn und Reserven vermitteln.

Besitzdauer

Die Beteiligung muss grundsätzlich während mindestens eines Jahres im Eigentum der veräussernden Gesellschaft gestanden haben.

Teilverkäufe

Fällt die Beteiligungsquote infolge eines Teilverkaufs unter 10 Prozent, können besondere Regeln für spätere Teilverkäufe gelten.

Beteiligungsquote und Verkehrswert sollten deshalb über die gesamte Veräusserungsperiode dokumentiert werden.

Gestehungskosten

Für die steuerliche Berechnung sind die maßgebenden Gestehungskosten beziehungsweise steuerlichen Anschaffungskosten separat fortzuführen.

Der handelsrechtliche Buchwert allein reicht dafür nicht aus.

Frühere Abschreibungen

Frühere steuerwirksame Wertberichtigungen oder Abschreibungen auf Beteiligungen können bei einem späteren Verkauf wieder steuerwirksam werden.

Transaktionskosten

Beratungs-, Due-Diligence-, Rechts- und sonstige Transaktionskosten sind für die steuerliche Berechnung sachgerecht zuzuordnen.

Verkaufsgewinn ist nicht automatisch entlasteter Beteiligungsgewinn Gestehungskosten, frühere Abschreibungen und zurechenbare Transaktionskosten können die steuerliche Berechnung wesentlich verändern.

Holdingstruktur

Wann eine Holding wirtschaftlich sinnvoll sein kann

Risikotrennung

Beteiligungen, liquide Mittel und bestimmte weitere Vermögenswerte können von den operativen Risiken einer Betriebsgesellschaft getrennt werden.

Reinvestition

Dividenden und Veräusserungserlöse können innerhalb einer Unternehmensgruppe für neue Beteiligungen, Akquisitionen oder Finanzierungen eingesetzt werden, ohne dass zunächst eine Ausschüttung an die private Anteilseignerebene erfolgen muss.

Unternehmensverkauf

Eine Holding kann einen späteren Verkauf einzelner Beteiligungen vereinfachen.

Ob eine Holding deshalb vor einem geplanten Verkauf eingerichtet werden sollte, hängt jedoch von Umstrukturierungs-, Sperrfrist- und Missbrauchsregeln sowie vom zeitlichen Ablauf ab.

Nachfolge und Investoren

Holdingstrukturen können die Trennung von Geschäftsbereichen, Aufnahme weiterer Investoren und schrittweise Unternehmensnachfolge erleichtern.

Management- und Serviceleistungen

Erbringt die Holding tatsächlich Management-, Finanzierungs-, Buchhaltungs- oder andere Dienstleistungen an Tochtergesellschaften, sollten Verträge und Vergütung dem Fremdvergleich entsprechen.

Zusätzlich ist die mehrwertsteuerliche Behandlung der Leistungen zu prüfen.

Substanz und tatsächliche Funktion

Umfang und Art der erforderlichen Substanz hängen von der tatsächlichen Funktion der Gesellschaft ab.

Geschäftsleitung, Verwaltungsratsentscheidungen, Bankbeziehungen, Personal, Infrastruktur und Vertragsdurchführung sollten mit der behaupteten Funktion der Holding übereinstimmen.

Kein besonderes Holdingprivileg mehr

Das frühere kantonale Holdingprivileg wurde mit der Unternehmenssteuerreform STAF abgeschafft.

Holdinggesellschaften unterliegen deshalb grundsätzlich der ordentlichen Gewinnsteuer. Beteiligungserträge können jedoch weiterhin über den Beteiligungsabzug entlastet werden.

Finanzierung der Beteiligungen

Zinsen, Eigenkapital und Netto-Beteiligungsertrag

Finanzierungsthema Steuerliche Wirkung Prüfungsfrage
Akquisitionsdarlehen Zurechenbare Finanzierungskosten können den Netto-Beteiligungsertrag reduzieren. Welcher Beteiligung ist die Finanzierung zuzurechnen?
Gesellschafterdarlehen Fremdvergleich und verdecktes Eigenkapital. Sind Darlehenshöhe und Zinssatz fremdüblich?
Eigenkapital Kein Zinsabzug; Auswirkungen auf die kantonale Kapitalsteuer möglich. Welche Kapitalstruktur passt zur Funktion?
Cash Pool Zinsmargen und weitere Steuerfolgen. Welche Treasury-Funktion übernimmt die Holding?
Garantien Vergütung muss wirtschaftlich begründet sein. Entsteht dem Empfänger ein messbarer Vorteil?
Fremdwährung Kursgewinne und Kursverluste beeinflussen den steuerbaren Gewinn. Passt die Finanzierungswährung zu den Cashflows?

Finanzierungs- und Verwaltungskosten

Weil der Beteiligungsabzug auf dem Nettoertrag basiert, können zurechenbare Finanzierungs- und Verwaltungskosten seine Wirkung vermindern.

Verdecktes Eigenkapital

Gesellschafter- und Konzernfinanzierungen müssen zusätzlich auf verdecktes Eigenkapital geprüft werden.

Eine steuerliche Umqualifikation kann Kapitalsteuer, Gewinnsteuer und Verrechnungssteuer beeinflussen.

Akquisitionsstruktur

Bei Unternehmenskäufen sollte bereits vor Abschluss geklärt werden, welche Gesellschaft die Beteiligung erwirbt, wo die Akquisitionsfinanzierung liegt und wo künftig Dividenden und andere Cashflows anfallen.

Strukturierungsprozess

Von der Beteiligung zur funktionsfähigen Holdingstruktur

Schritt 1 Ziel bestimmen

Risikotrennung, Reinvestition, Verkauf, Finanzierung oder Nachfolge definieren.

Schritt 2 Struktur entwerfen

Direkte Beteiligung, Schweizer Holding oder mehrstufige Struktur vergleichen.

Schritt 3 Steuerfolgen prüfen

Einbringung, Beteiligungsabzug, Verrechnungssteuer, Finanzierung und Kapitalsteuer analysieren.

Schritt 4 Umsetzen und führen

Verträge, Beschlüsse, Buchhaltung, Bankkonten und tatsächliche Funktionen konsistent organisieren.

  • Aktuelles und geplantes Organigramm
  • Beteiligungsquoten
  • Erwerbsdaten und Haltedauer
  • Gestehungskosten
  • Buchwerte
  • Frühere Wertberichtigungen und Abschreibungen
  • Dividendenhistorie
  • Verrechnungssteuerunterlagen
  • Ausländische Quellensteuern
  • Darlehens- und Finanzierungsverträge
  • Management- und Serviceverträge
  • Bewertungen und Businesspläne
  • Verwaltungsratsbeschlüsse
  • Kapitaleinlagereserven
  • Frühere Rulings und Veranlagungen

Typische Fehler

Wo Holding- und Beteiligungsstrukturen steuerlich kritisch werden

Warnsignal Typisches Risiko
Dividende wird als vollständig steuerfrei behandelt Beteiligungsabzug wird mit einer Steuerbefreiung verwechselt.
Gestehungskosten werden nicht separat fortgeführt Falsche Berechnung beim späteren Verkauf.
Frühere Abschreibungen auf Beteiligungen werden ignoriert Steuerbarer Wiedereinbringungseffekt wird übersehen.
Meldeverfahren wird automatisch unterstellt Verrechnungssteuerverfahren wird nicht korrekt eingehalten.
Ausländische Quellensteuer wird als endgültig akzeptiert DBA-Entlastungs- oder Rückerstattungsmöglichkeiten bleiben ungenutzt.
Holding verrechnet Management Fees ohne tatsächliche Leistung Gewinnsteuer-, MWST- und Fremdvergleichsrisiken.
Beteiligung wird unmittelbar vor Verkauf eingebracht Umstrukturierungs-, Sperrfrist- oder Missbrauchsfragen.
Holdingstruktur besitzt keine erkennbare wirtschaftliche Funktion Internationale Entlastungsansprüche können schwieriger zu begründen sein.

Situation: Unternehmen

Holdingstruktur mit Finanzierung, Gewinnsteuer und Exit abstimmen

Beteiligungsabzug, Finanzierung, Verrechnungssteuer, Mehrwertsteuer und spätere Unternehmensveräusserung greifen eng ineinander. Die Holding sollte deshalb ausgehend von ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Funktion strukturiert werden.

Hinweis: Dieser Leitfaden enthält allgemeine Informationen. Die steuerliche Behandlung hängt insbesondere von Beteiligungsquote, Verkehrswert, Haltedauer, Gestehungskosten, Finanzierung, Sitzkanton, Quellenstaat und tatsächlicher Funktion der Gesellschaft ab. Bei internationalen Holdingstrukturen sind zusätzlich das anwendbare Doppelbesteuerungsabkommen, Quellensteuerverfahren und die Voraussetzungen für eine Entlastung an der Quelle zu prüfen.

Holding- und Beteiligungsberatung

Sie planen eine Holding, Ausschüttung oder Beteiligungsveräusserung?

Wir prüfen Beteiligungsabzug, Verrechnungs- und Quellensteuern, Finanzierung, Einbringung und Holdingstruktur und begleiten die steuerliche Umsetzung sowie die laufende Deklaration.

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